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Der Kinoerfolg vom 68er-Film Zur Sache Schätzchen

Cineastische Bedeutung

Mit der Komödie "Zur Sache Schätzchen" 1968 unter der Regie seiner Lebensgefährtin May Spils, damals in West-Deutschland die einzige Filmregisseurin, feierte Drehbuchautor und Hauptdarsteller Werner Enke einen sensationellen Kinoerfolg.

Bis heute ragt aus allen Filmen von May Spils und Werner Enke ihr Erstlingswerk "Zur Sache Schätzchen" heraus, das von einem Tag auf den anderen die gesamten Kino-Sehgewohnheiten in West-Deutschland veränderte und bis heute beeinflußt.

Der Film "Zur Sache Schätzchen" ist einer der größten Kino-Erfolge der deutschen Filmgeschichte. Er belebte dem jungen deutschen Film und lief damals in allen großen west-deutschen Städten über ein Jahr am Stück.

"Zur Sache Schätzchen" brachte May Spils und Werner Enke 1968 jeweils einen Bundesfilmpreis für die besten Dialoge und Werner Enke einen Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsdarsteller.

Außerdem erhielt der Film die "Goldene Leinwand", den "Preis der 15" (damals die bekanntesten Film-Kritiker) und den Preis "Film des Jahres" verschiedener Zeitungen und Zeitschriften.

Ferner war "Zur Sache Schätzchen" u.a. der deutsche Beitrag 1968 zum Filmfestival in Cannes (französisch: le Festival de Cannes).


Bild vom Filmplakat von Zur Sache Schätzchen für die Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1968
Bild: Filmplakat "Zur Sache Schätzchen" für die Internationalen Filmfestspiele von Cannes 1968 (frz.: le Festival de Cannes)


Die Filmfestspiele in Cannes fanden 1968 jedoch nicht statt und gingen in den 68er Unruhen unter.

Uschi Glas erhielt für ihre Rolle den "Bambi" und trägt bis heute den liebevollen Kosenamen "Schätzchen" und Werner Enke das Pseudonym "Fummler vom Dienst".

In Banken konnte man ab 1968 ein seriöses Wertpapier - das sog. "Bundesschätzchen" - kaufen.

Sprachliche Bedeutung

Der Kinoerfolg von "Zur Sache Schätzchen" geht auch auf die nuschelige, rotzige Sprache des Hauptdarstellers Martin (Werner Enke) zurück

Er schob den Zuschauern eineinhalb Stunden lang leise, freche, melancholische, tiefstaplerische, "pseudo-philosophische" Sprüche und Dialogfetzen unter.

Etliche Wörter der Gammler-Jargon-Komödie mit den lockeren Sprüchen und vielbelachten Dialogen zwischen Poesie und Pessimismus geistern seitdem durch unsere Sprache.

Diese Redewendungen, auch Enkeismen genannt, wie „Es wird böse enden“, „fummeln“ oder „abgeschlafft“ gingen salonfähig in den Sprachalltag ein, wurden Kult und landeten im Duden.

Es gab sogar sog. Enkologen, welche alle Redewendungen und Sprüche aus dem Film in selbst geschriebenen Heften gesammelt haben.


Bild-Collage verschiedener Presse- und Zeitungsartikel, die Sprüche und Zitate von Werner Enke verwendet haben wie Schätzchen, fummeln, Zur Sache


Der Journalist und Autor Claus Biegert schrieb zur umgangssprachlichen Bedeutung:


"Meine erste Begegnung mit Werner Enke hatte ich als Redakteur einer Schülerzeitung. Ich nahm ihn damals mehr als Wortschöpfer wahr, denn als Schauspieler.

Als seine Worte durch die Filme mit der Regisseurin May Spils an die Öffentlichkeit gelangten und dort auch standhielten, fing ich an, auf Enke-Wörter zu achten.

Die Filme verschwanden wieder aus den Kinos, doch die Ausdrücke des Hauptdarstellers Werner Enke blieben und fanden hauptsächlich im Sprachschatz der Presse und Medienmacher von Fernsehen und Zeitungen ihren festen Platz.

1971 wohnte ich für eine Weile bei May Spils unterm Dach und war deshalb zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten Zeuge von Enkes pausenloser Kreativität.

Irgendwann fing ich an, die Beweise für seine sprachlichen Einfluss zu sammeln. Eines Tages war der Akt dick genug, um dem "Autor" überreicht zu werden.

Zudem konnte ich Werner Enke den Beweis liefern, dass selbst der Duden nicht an seinen Sprüchen und Zitaten vorbei kam."


Studienarbeit (Neue Münchner Gruppe, Kinosucht)

Der Münchner Filmemacher Christian "Grisi" Ganzer schrieb im Sommersemester '94 im Fach Film- und Medientheorie (Filmakademie Ludwigsburg, Prof. Hans Beller) eine Studienarbeit über den Film "Zur Sache Schätzchen".

In seiner Arbeit "Zur Sache, Schätzchen ! - Ein Film, sein Umfeld und die Folgen" wird auch die sog. "Neue Münchner Gruppe" behandelt.

Die Neue Münchner Gruppe war eine lose Gruppierung um die Filmemacher Klaus Lemke, Rudolf Thome, Max Zihlmann, "Boris" Marran Gosov, Eckhart Schmidt, May Spils, Werner Enke, Dieter Geissler und Martin Müller.

Sie bildete sich nach dem Kurzfilmfestival 1962 in Oberhausen und dem Oberhausener Manifest mit dem Slogan "Papas Kino ist tot" und bestand etwa von 1964 - 1972.

Außerdem beschäftigt sich Christian "Grisi" Ganzer in seiner Studienarbeit mit der Anfang der 60er Jahre v.a. bei jungen Menschen zu findenden "Kinosucht".

Auch die junge Regisseurin May Spils sagte damals in einem Interview Ende der 60er Jahre über die Kinosucht (wie Rainer Werner Fassbinder), sie wäre seinerzeit drei- bis viermal täglich ins Kino gegangen.

Die Studienarbeit von Christian (Grisi) Ganzer ist online unter folgender Adresse verfügbar:


http://zursacheschaetzchen.de

 

Das Comic-Buch "Es wird böse enden" von Werner Enke ist in der 2. Auflage mit dem Daumenkino "Der Hammerwerfer" erschienen:

» Zur neuen Website 2022 mit dem Comic-Buch und Daumenkino

 

Bild mit gezeichneten Strichmännchen und Strichweibchen

 

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