Spils/Enke in der Filmwissenschaft

Inhalt

  1. Filmakademie Baden-Württemberg (Sommersemester 1994)
  2. Freie Universität Berlin (Wintersemester 2012/2013)
  3. Prof. Marco Abel: Analyse Münchner Kinoproduktionen von 1964 bis 1972
  4. Exkurs: Das Oberhausener Manifest zum Neuen Deutschen Film und die Neue Münchner Gruppe

Filmakademie Baden-Württemberg (Sommersemester 1994)

Über den Film » Zur Sache Schätzchen schrieb der Münchner Filmemacher Christian „Grisi“ Ganzer eine Studienarbeit an der Filmakademie Baden Württemberg in Ludwigsburg im Fach „Film- und Medientheorie“ (Prof. Hans Beller).

Seine Studienarbeit mit dem Titel Zur Sache Schätzchen – ein Film, sein Umfeld und die Folgen stellt Grisi unter folgender Adresse der Öffentlichkeit zur Verfügung:

» Zur Druckversion der Seminararbeit

Anlässlich der digitalen Restaurierung von Zur Sache Schätzchen im Jahr 2013 hat Grisi seine Studienarbeit als Internetseite herausgebracht, die unter folgender Adresse aufrufbar ist:

» http://zursacheschaetzchen.de

Die Internetseite von Grisi ist in folgende Themenbereiche unterteilt:

Bildschirmfoto vom Inhaltsverzeichnis der Webseite zursacheschaetzchen.de über die Seminararbeit "Zur Sache Schätzchen an der Filmakademie Baden Württemberg in Ludwigsburg im Fach „Film- und Medientheorie“: - Ein Film, sein Umfeld und die Folgen" von Christian Grisi Ganzer mit Fotos und folgenden Kapiteln: 1. Die Münchner Gruppen, 2. Kinosucht, 3. Das deutsche À bout de souffle, 4. Die Pseudophilosophie, 5. Was wurde daraus ?, Filme der Neuen Münchner Gruppe, Biographien, Enke zu Besuch
Inhaltsverzeichnis von zursacheschaetzchen.de von Christian „Grisi“ Ganzer

Auf zursacheschaetzchen.de gibt es ergänzend ein Protokoll eines Gespräches, das Werner Enke mit Grisi und anderen Studenten 1997 an der Filmhochschule in Ludwigsburg geführt hat.

In diesem Gespräch wollten die Studenten herausfinden, welche Unterschiede es gibt in der Herangehensweise an ein Filmprojekt zwischen heute und damals in den 60er und 70er Jahren.

» Zum Akademiegespräch „Enke zu Besuch“

Grisi beschäftigt sich in seiner Studienarbeit ausführlich mit dem filmhistorischen Hintergrund, vor dem Zur Sache Schätzchen produziert wurde.

Er beschreibt die Neue Münchner Gruppe (vgl. » weiter unten), der das Duo Spils/Enke angehörte und die nach dem Oberhausener Manifest (vgl. » weiter unten) von etwa 1964 bis 1972 als eigenständige Strömung parallel zum Neuen Deutschen Film bestand.

Außerdem beschäftigt sich Grisi in seiner Studienarbeit mit der Anfang der 60er Jahre v.a. bei jungen Menschen zu findenden „Kinosucht“.

Zu dieser Kinosucht sagte die junge Regisseurin May Spils einmal in einem Interview, sie wäre seinerzeit drei- bis viermal täglich ins Kino gegangen (wie auch Rainer Werner Fassbinder).

Freie Universität Berlin (Wintersemester 2012/2013)

Über die zeitgenössische Bedeutung von Zur Sache Schätzchen schrieb Louisa Manz an der Freien Universität Berlin eine Studienarbeit im Seminar für Filmwissenschaft am Institut für Theaterwissenschaft.

Ihre Studienarbeit mit dem Titel Zur Sache Schätzchen – ein Neuer Deutscher Film? beleuchtet das filmische Umfeld der Entstehungszeit von Zur Sache Schätzchen im damaligen Westdeutschland ab den späten 60er Jahren bis zu den frühen 70er Jahren.

Trailer-Titelbild vom Kino-Spielfilm "Zur Sache Schätzchen"
Trailer-Titelbild von „Zur Sache Schätzchen“

Louisa Manz stellt einen Bezug zu anderen Filmemacherinnen her und zeigt, dass May Spils im Umfeld des Neuen Deutschen Films die erste Regisseurin und „Zur Sache Schätzchen“ die erste Filmkomödie war.

Sie analysiert außerdem die ungewohnte Form des Protestes in Zur Sache Schätzchen gegen die bürgerliche Gesellschaft zu Zeiten der 68er-Bewegung.

Hierzu zitiert Manz z.B. die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nach der Filmpremiere (4.1.1968):

„Auch dieser Film ist Protest gegen die Welt der Väter, es ist aber ein Protest ohne Stelzen, faszinierend durch Übermut, Leichtsinn, durch quicklebendigen Humor, der die Selbstpersiflage in sich schließt“

(Brigitte Jeremias: Oblomow in Schwabing, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 17.1.1968)

Die Studienarbeit von Louisa Manz ist als Buch oder eBook erhältlich bei » Bücher.de, » Booklooker, » Amazon oder » Hausarbeiten.de.

Prof. Marco Abel: Analyse Münchner Kinoproduktionen von 1964 bis 1972

2023 erscheint ein neues Buch vom Sprach- und Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marco Abel mit dem Titel Mit Nonchalance am Abgrund – Das Kino der »Neuen Münchner Gruppe« (1964–1972).

Darin beschäftigt er sich auch mit Zur Sache Schätzchen (1968) und Nicht fummeln Liebling ! (1970) von Spils/Enke – beides Spielfilme, die in diesem Zeitraum in München produziert wurden.

Cover (Vorderseite) mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund des Buches von Marco Abel "Mit Nonchalance am Abgrund - Das Kino der Neuen Münchner Gruppe (1974 - 1972), transcript Verlag Edition Kulturwissenschaft mit einem Standfoto von Innen-Dreharbeiten für "Zur Sache Schätzchen" mit Werner Enke, May Spils und Uschi Glas

Marco Abel hält die Neue Münchner Gruppe (vgl. weiter unten) in der Filmwissenschaft für eine der interessantesten Strömungen zwischen 1964 und 1972 im westdeutschen Kino.

Er vertritt die Auffassung, dass es die bis heute verkannte Kunst von den Filmen der Neuen Münchner Gruppe war, „dem damals erst aufkommenden neoliberalen Abgrund ins sprichwörtliche Auge zu schauen und trotzdem gelassen zu bleiben.“

Bezugsmöglichkeiten / Vorbestellung (angekündigter Erscheinungstermin 15. Juli 2023):

» Zu eichendorff21 – Der Perlentaucher unter den Buchläden

» Zu Hugendubel Fachinformationen

» Zur Fachbuchhandlung C.H.Beck

Exkurs: Das Oberhausener Manifest zum Neuen Deutschen Film und die Neue Münchner Gruppe

Die Neue Münchner Guppe war eine lose Gruppe der Filmemacher Eckhart Schmidt, Klaus Lemke, Rudolf Thome, Max Zihlmann, May Spils, Werner Enke, Dieter Geissler, „Boris“ Marran Gosov und Martin Müller.

Zeitlich bildete sich die Neue Münchner Guppe in München-Schwabing ungefähr 1964 nach dem Kurzfilmfestival 1962 in Oberhausen – auch Westdeutsche Kurzfilmtage Oberhausen genannt.

Diese gelten als das älteste Kurzfilmfestival der Welt und finden seit 1954 jedes Jahr statt.

Im Februar 1962 verkündeten bei den 8. Westdeutschen Kurzfilmtagen Oberhausen 26 junge Filmemacher das Oberhausener Manifest zum Neuen Deutschen Film.

Zu den Unterzeichnern des Manifests zählten u.a. Christian Doermer, Rob Houwer, Alexander Kluge, Walter Krüttner, Hansjürgen Pohland, Edgar Reitz, Peter Schamoni, Detten Schleiermacher, Haro Senft, Franz-Josef Spieker, Wolfgang Urchs und Herbert Vesely.

Sie verkündeten den Slogan „Papas Kino ist tot“ und das Ziel, einen neuen deutschen Film zu schaffen.

Bei diesem sollten nicht wie bisher beim klassischen Studio-Kino rein kommerzielle Überlegungen des Produzenten als Hauptentscheider und traditionell populäre Filmthemen wie z.B. Romanverfilmungen im Vordergrund stehen.

Ziel war vielmehr, ein neues Autoren-Kino zu schaffen, bei dem der Regisseur als maßgeblicher Autor entscheidet und seine künstlerische Vision umsetzt, um dem Film seine individuelle Handschrift zu verleihen.

Die Neue Münchner Gruppe, die bis etwa 1972 bestand, vertrat – anders als die filmischen Querdenker des Oberhausener Manifests – keine ernste und revolutionäre Ideologie.

Ihre Autoren-Filme sollten unterhalten und das Schwabinger Lebensgefühl zum Ausdruck bringen.

Seinerzeit war das lässige Lebensgefühl in München-Schwabing geprägt durch eine Mischung aus südlichem Flair, möglichst das Leben geniessen und das Ablehnen verstaubter, bürgerlicher Vorstellungen und Einschränkungen.

Ganz im Sinne dieser Lebensphilosophie brachte es die junge Regisseurin May Spils 1968 beim Film-Debüt von Zur Sache Schätzchen auf den Punkt: „Ich möchte vor allem kein verstaubtes Kino machen.“